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Grenzstadt Wipperfürth

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Grenzstadt Wipperfürth

Wälle, Gräben, Dornenhecken sollten vor Einfällen aus dem Märkischen schützen

Wipperfürths Grenze gegenüber dem Märkischen Kreis entspricht im Wesentlichen der alten Grenzlinie zwischen den Grafschaften und späteren Herzogtümern Berg und Mark, die 1521 durch Heirat vereinigt wurden, bevor sie im 17. Jahrhundert wieder an verschiedene Herrscherhäuser fielen. Bis ins späte Mittelalter hinein war es üblich, dass Meinungsverschiedenheiten zwischen den Territorialherren zu Fehden führten; diese äußerten sich meist nicht in größeren kriegerischen Unternehmungen, sondern in Überfällen und Brandschatzungen, unter denen vor allem die Bauern zu leiden hatten.

Um dem vorzubeugen, wurden im 13. und 14. Jahrhundert sogenannte Landwehren angelegt, mit dichtem Gestrüpp und Dornenhecken bewachsene Wall- und Grabenanlagen, die sich oft über viele Kilometer erstreckten und besonders in der Nähe der alten Höhenwege stark ausgeprägt waren.

Im Idealfall haben sie an der Außenseite einen Bachlauf, der dem Eindringling die Annäherung erschwert. Die Uferböschung ist dann zum Wall erhöht, hinter dem mindestens ein Graben anzutreffen ist; oft folgt dann noch ein zweiter Wall mit Graben. Wegen des dichten Bewuchses war es für die Plünderer kaum möglich, mit einer geraubten Kuh das Weite zu suchen.

Wipperfürth als grenznahe Stadt hatte gleich zwei zusammenhängende Landwehrlinien aufzubieten, von denen eine nahe der märkischen Grenze und die zweite näher bei der Stadt verlief. Von beiden sind in den Wäldern umfangreiche Reste erhalten ? allerdings ohne den früheren Bewuchs ?, während sie auf den Weiden meistens eingeebnet sind.

Besonders bewacht waren die Durchgänge, die man als „Schlag“ bezeichnete und mit einem „Schlagbaum“ versperrte, an dem später auch der Zoll eingezogen wurde. Von diesem Schlagbaum hat das Gehöft Bommerhaus am Durchgang der Siegburger Straße durch die innere Landwehr seinen Namen.

Die drei alten Straßen nach Westfalen hatten ihre Pforten einmal bei Stillinghausen und hinter Altensturmberg, zum anderen bei Leuchtenbirken und vor Wiegen und zum dritten bei dem aufgegebenen Gehöft Kleinblumberg sowie im heutigen Kreuzberg, wo es sogar eine kleine Befestigung, eine Schanze, gab.

Um 1773 wurden die Wipperfürther Landwehrstücke vom Landesherrn an die Bauern und Waldbesitzer verpachtet. Ihre Anlage hat man im 19. Jahrhundert gerne den Römern in die Schuhe geschoben. „Limesstadt Wipperfürth“ – das wäre auch etwas …

Quelle: Heimat- und Geschichtsverein Wipperfürth, Erich Kahl


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